Shatabdi

copyright Anna C. Wagner

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Johannes Lemke - Altsaxophon
Jarry Singla - Piano, Indisches Harmonium
  

Zwei Musiker, zwei Instrumente, zwei Reisende! 

Zwei Suchende, deren Begeisterung für die Klangwelten fernab Europas stetig wächst. 

Zwei Lebenswege, die über viele Jahre unabhängig voneinander verlaufen, sich allmählich verzahnen und schließlich zusammenfinden. 

In den neunziger Jahren kommt der deutsch-indische Pianist Jarry Singla in New York erstmals mit dem südindischen Rhythmuskonzept in Kontakt, der Kölner Saxophonist Johannes Lemke besucht in Deutschland einen Workshop mit dem fantastischen nordindischen Sarodspieler Pratik Shrivastava. Anfang des neuen Jahrtausends lebt Singla mehrere Jahre in Mexiko Stadt und erweitert dort seinen interkulturellen Horizont, Lemke gründet in Deutschland parallel das Ensemble Tria Lingvo - wegweisend in der deutschen Jazzszene, ausgezeichnet mit dem Neuen Deutschen Jazzpreis und in seiner Musik inspiriert durch persische und afrikanische Musikkulturen. 

Zurück in Deutschland lotet Jarry Singla in dem kammermusikalischen Quartett „Lagash“ die Möglichkeiten der Symbiose von irakischer und westlicher Musik aus, und mit dem Ensemble der ukrainischen Sängerin Mariana Sadovska erhält er den Creole Worldmusic Award. Tria Lingvo arbeitet zeitgleich mit dem herausragenden französischen Geiger Dominique Pifarely an der Verbindung von Zwölftonkonzepten und zeitgenössischer Jazzimprovsation. 

Singlas Eintauchen in den Klangkosmos des indischen Subkontinents intensiviert sich mit der Gründung von Eastern Flowers. Dieses Trio mit dem großartigen Perkussionisten Ramesh Shotham wird in den Folgejahren auf internationalen Festivals in Indien, Bolivien, Deutschland und Argentinien zu Gast sein. Ramesh Shotham wiederum lädt Johannes Lemke wenig später für eine Indientournee mit seinem Quartett Madras Special und dem Karnataka College of Percussion ein. 

Schließlich erhält Jarry Singla die Chance, mit Unterstützung der Kunststiftung NRW ein Residenzstipendium in der westindischen Megalopolis Mumbai anzutreten und dort intensiv mit einigen der kreativsten Musiker seines zweiten Heimatlandes zu arbeiten. So entsteht das Sextett The Mumbai Project. Mitglied ist niemand geringerer als der erwähnte Pratik Shrivastava, den Johannes Lemke 15 Jahre zuvor in Köln kennen gelernt hatte. 

Der Kreis schließt sich, als Johannes Lemke ein Deutschlandkonzert des Mumbai Project besucht und Kontakt zu Jarry Singla aufnimmt. Gegenseitige Sympathie ist sofort vorhanden, die musikalischen Wellen schwingen im Einklang, SHATABDI entsteht ... 

Die Musik des Duos ist geprägt von einer unstillbaren Neugier auf interkulturelle Begegnungen. Lemke und Singla sammeln Erfahrungen auf Reisen in exotische Kulturkreise und lernen dort von ihren musikalischen Mitstreitern. SHATABDI arbeitet mit bolivianischen Musikern bei dem renommierten „Bolivia Festijazz" in La Paz, hierzulande trifft man auf die deutsch-afghanische Sängerin Simin Tander und den irakischen Djoze Virtuosen Bassem Hawar. 

"Oft werden musikalisch-zwischenmenschliche Begegnungen zum Zündfunken neuer Kompositionen", so Jarry Singla, "aber auch ein bolivianischer Rhythmus, ein indischer Raga, Strukturen aus der Neuen Musik, Natureindrücke oder Großstadtchaos können kompositorische Prozesse maßgeblich anregen“, erläutert der Pianist. 

Ein Ausflug in die andine Bergwelt rund um das bolivianische La Paz führt ihn in das atemberaubend weite Zongotal, wo sich auf fast 5000 Metern Höhe ein Friedhof für Minenarbeiter befindet. Auf dessen Gräbern "wachsen" verrostete Metallblumen, im Hintergrund leuchten die Eismassen des Sechstausenders Huayna Potosí. Dieses unglaubliche Naturerlebnis mündet schliesslich mit Singlas „Eismetallen“ in ein Musikstück, das europäische Improvisationskultur, fließende Rhythmen und Minimal Music Konzepte verbindet. 

Lemke wiederum inspiriert die Reise im Shatabdi-Express von Bangalore nach Chennai zu seiner gleichnamigen Komposition, namensgebend für das Duo. Hier wird die auf einem indischen Raga basierende Melodie aufgebrochen und harmonisiert. Südindische rhythmische Strukturen werden mit europäischen Harmonien unterlegt, die kollektive Improvisation jedoch bleibt dem Raga verhaftet. 

Für Johannes Lemke liegt der besondere Reiz des Duos in der Kombination aus harmonischer Ausrichtung und indischer Inspiration. „Das klingt vielleicht erst einmal widersprüchlich“, so der Saxophonist, „denn in der indischen Musik fehlen harmonische Strukturen weitgehend. Aber wir gehen viele Schritte weiter, indem wir die, sagen wir, indischen Melodiefragmente nicht nur harmonisieren, sondern bewusst verändern und umdeuten. Dadurch ensteht ein neues Klangbild, das weit über die mir bekannten Begegnungen von westlicher und indischer Musik geht. Das ist auch Jarrys Fähigkeit geschuldet, Melodien auf erfrischende und natürliche Weise zu harmonisieren und umzugestalten. Es erfolgt quasi eine Re- Komposition des Ausgangsmaterials.“ „Für mich ist das Faszinierende an Musik,“ ergänzt Singla, „dass sich die ursprüngliche Inspiration während des Kompositionsprozesses verselbständigt, quasi ein Eigenleben annimmt. Komponieren ist eine Reise mit unabsehbarem Ziel.“ 

SHATABDI spielt eine Musik für Menschen, die die Kunst des Staunens, die Freude am "scheinbar Unscheinbaren" nicht verloren haben. Lemke und Singla weben feinste Texturen und geben der Musik schier grenzenlosen Raum zum Atmen. "Gespräche mit Zuhörern legen den Schluss nahe, dass unsere Musik eine innere Ruhe ausstrahlt, die manche Menschen in ihrem Alltag vermissen", berichten die beiden Künstler. Mühelos lassen sie Klangbilder und Klangflächen entstehen, die den Hörern die Möglichkeit eröffnen, musikalisch Vertrautes in fremden und musikalisch Fremdes in vertrauten Zusammenhängen (neu) zu verstehen. Mal lyrisch und ruhig wie in Lemkes Stück „Malev“, komponiert im Geiste von Griegs Peer Gynt Suite und doch vollkommen eigenständig. Mal aufbrausend und pulsierend wie in Singlas „Tendu“, wo nordindische Rhythmik auf europäischen Kontrapunkt trifft. Johannes Lemke und Jarry Singla erschaffen in ihrem Duo eine wunderbar authentische Musik, die nur in einem weltoffenen Europa des 21.Jahrhunderts beheimatet sein kann und doch Geschichten von so vielen Orten dieser Erde zu erzählen weiß. 


Jarry Singla 

 „Mystische Reflexion und modernes Vorwärtsdrängen werden hier in eins gedacht (...) Wir lauschen fasziniert: So kann das Verschmelzen von Kulturen gelingen.“ 

Neue Zürcher Zeitung 

Eine große Offenheit für die unterschiedlichsten Musikkulturen steht seit langem im Mittelpunkt der Arbeit des in Köln lebenden Pianisten und Komponisten Jarry Singla. 

In seinem aktuellen Trio Eastern Flowers mit dem Perkussionisten Ramesh Shotham und dem Kontrabassisten Christian Ramond ist der Einfluss indischer Musik besonders deutlich ausgeprägt. "Eastern Flowers" präsentierten sich in den vergangenen Jahren u.a. für das Goethe-Institut in Indien sowie bei den renommierten Festivals „Buenos Aires Jazz“, „Festijazz Bolivia“ und „Acht Brücken – Musik für Köln“. 

2013 reiste Jarry als Stipendiat der Kunststiftung NRW für sechs Monate nach Mumbai. Für eine Besetzung mit Tabla, Gesang, Sarod und dem Trio Eastern Flowers komponierte er dort Musik, die zunächst in indischen Großstädten und 2014 in NRW uraufgeführt wurde. Die erste CD von The Mumbai Project ist 2016 bei Double Moon Records erschienen. Im Herbst 2017 gastierte das Sextett für eine Produktion mit der Bigband des Hessischen Rundfunks in Frankfurt sowie beim Düsseldorf-Festival. 

Mit der ukrainischen Sängerin Mariana Sadovska, gewann Jarry Singla den Creole Preis für Weltmusik aus NRW, und in dem kammermusikalischen Quartett „Lagash“ des irakischen Komponisten Saad Thamir lotet er die Möglichkeiten der Symbiose von arabischer und westlicher Musik aus. Konzerte führten Lagash u.a. zur Biennale des Emirates Sharjah und in die Berliner Philharmonie. 

Einer Einladung der Staatskanzlei NRW folgend nahm Jarry 2013 an dem Austauschprojekt „Kulturatrium“ im polnischen Kattowitz teil. Dort entstand das Trio WEI3 mit dem Kontrabassisten Maciej Garbowski und dem Schlagzeuger und Elektroniker Peter Orins. Eine CD Produktion des Trios („Kaliko“) sowie Konzerte in den NRW Landesvertretungen in Brüssel und Berlin, im Goethe-Institut Paris und in der Universität von Arras folgten. 

Von 2014 bis Mitte 2017 pendelte Jarry Singla zwischen Köln und La Paz, wo er u.a. in dem Duo Zerua mit dem bolivianischen Charangospieler Alfredo Paredes spielt. Zudem haben die Südamerikaaufenthalte musikalische Kontakte in Buenos Aires ermöglicht, wo Jarry seit 2016 mit dem argentinischen Duo Confluencia arbeitet und im August 2017 in der renommierten Usina de Arte zu Gast war. 

Zu Jarry Singlas Arbeiten im weiten Feld des europäischen Jazz gehören Kompositionen für sein Quartett Blumenbein mit dem Britischen Ausnahmesaxophonisten Julian Argüelles und für Jazzklaviertrio mit Sinfonieorchester. 

Im September 2017 gastierte Jarry in einem international besetzten Ensemble des Trompeters Markus Stockhausen beim Düsseldorf Festival. 

www.jarrysingla.com


Johannes Lemke

(...) Einen „großen Lyriker am Saxofon“, verspricht das Bandinfo und das trifft es ziemlich auf den Punkt. Magische Musik zur Novemberzeit, das erfrischende Gefühl, in Ruhe nachdenken zu können. (...) 

Die Rheinpfalz 

Der Saxophonist und Komponist Johannes Lemke ist vor allem durch sein Hauptprojekt „Tria Lingvo" (vormals Lemke Nendza Hillmann) in der deutschen Jazz Szene bekannt. Das kollektive Trio bietet ihm die einmalige Möglichkeit sich als Grenzgänger zwischen sogenannter Weltmusik und modernem Jazz voll auszuleben. In seinen beiden Bandkollegen hat er hierfür die idealen Mitstreiter gefunden, die darüber hinaus seine Vorliebe zum klanglichen Detail und zu ungeraden Metren teilen. Die fast 15jährige Zusammenarbeit ist auf mittlerweile vier CD- Einspielungen und zahlreichen Rundfunkmitschnitten dokumentiert. Mit Dominique Pifarély (F)und Zoltan Lantos (H) tourt das Trio mit zwei der renommiertesten Jazz-Geiger Europas. Ihre vierte CD wird "live" im Sendesaal des Deutschlandfunks in Köln eingespielt. 

Höhepunkte sind u.a. ihr Auftritt auf der Jazzahead in Bremen im Rahmen der German Jazznight, die Eröffnung des „Vive le Jazz“ Festivals im LVR Museum Bonn, ein Konzert im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals in Mannheim oder vor 2000 Zuhörern im Hauptprogramm der Leverkusener Jazztage 2014. Das Trio entwickelt sich laut Harald Rehmann vom DLF zu einem „unverzichtbaren Grundpfeiler der Deutschen Jazzszene“. 

Seit 2011 ist er Mitglied im Ensemble Mizard. Mit dem Sänger Ulrich Cordes und der Pianistin Laia Genc interpretieren sie Psalmen aus dem alten Testament im Spannungsfeld zwischen zeitgenössischer Klassik und „Modern Jazz“. 

2014 erhält er mit „Tria Lingvo“ den Neuen Deutschen Jazzpreis.
 2015 lädt ihn Laia Genc mit ihrem Trio „liaison tonique“ nach Mailand ein. Hier vertreten sie die deutsche Jazz-Szene auf der Expo15 im Deutschen Pavillon. 

Im selben Jahr geht er als Gast in Ramesh Shothams Madras Special auf eine zweiwöchige Konzertreise nach Südindien. . Die Band gibt Konzerte in Bangalore, Chennai, Goa und Mumbai. 

Auf dem Worldmusic Festival anlässlich des 50 jährigen Jubiläums des Karnataka College of Percussion in Bangalore lernt er Rama Mani und Mr. Mani (zwei der profiliertesten Musiker der klassischen südindischen Musik) kennen. Wieder zurück in Deutschland geht es mit den beiden und Ramesh Shothams Madras Special für zwei Wochen auf Deutschlandtour. Es ist eine besonders intensive, lehrreiche und inspirierende Erfahrung. 

Seine musikalischen Horizonte wurden durch die intensive Zusammenarbeit mit Musikern wie Willie Thomas, Dominique Pifarély, Zoltan Lantos, Mike Walker, Charlie Mariano und Ramesh Shotham stetig erweitert. 

www.johannes-lemke.de 

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